


Nicht immer hat man die Zeit, seinen Lieblingsbeschäftigungen nur für sich selbst nachzugehen. Sei es das Lesen oder einfach nur das Schauen der neuen Folge der Lieblingsserie. Ich für meinen Teil habe mir diese Zeit ganz bewusst am Wochenende am frühen Morgen geblockt. Wenn noch alles schläft, genieße ich meine Morgenroutine, ganz mit mir allein. Ein Beispiel, und vielleicht eine Inspiration für diese mir kostbare Zeit, gebe ich hier wieder.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
Ich denke, fast jede/r hat ihre/seine Morgenroutine. Sei es der Kaffee am Morgen, das immer gleiche Müsli, das Brot für die Frühstückspause auf der Arbeit. Sie kann auch gar nichts mit dem Essen zu tun haben, es kann die Angewohnheit sein, morgens Radio zu hören, eine Runde Yoga zu machen oder zu joggen. Die Zeitung lesen oder die Mails. Ganz gleich, der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Ich habe mir meine Wochenendmorgenroutine angewöhnt, auf die ich nur ungern zu Hause verzichte. Bin ich im Urlaub, auf Verwandtschaftsbesuch, dann geht es natürlich auch ohne. Aber am Samstag- und Sonntagmorgen, da habe ich meine zwei Stunden Zeit, die ich liebe und schätze. Zwei Stunden, bevor der Rest wach wird, zwei Stunden vor dem Frühstück, ganz mit mir allein und voller Genuss. Hier möchte ich euch nun mitnehmen, mit mir zusammen einen Morgen am Samstag zu verbringen. Vielleicht kann es ja eine Inspiration für die eine oder den anderen sein. 😊
Ein Morgen im April
Um 6:50 Uhr klingelt der Wecker, so habe ich 10 Minuten Zeit, um aufzustehen, diese brauche ich auch. Die Sonne scheint bereits und ich gehe leise in die Küche. Alles schläft um mich herum, bis ich das Fenster ankippe. Die Vögel sind bereits wach und am Zwitschern, ich sehe die zwei Tauben, die sich ihr Nest für den Nachwuchs vorbereitet haben. Sie gurren und legen ihre Köpfe aneinander. Nach dem provisorischen Toilettengang, samt Gesichtwaschen, nehme ich mir meine Küchenwaage und wiege 250 ml Hafermilch Barista ab. Ich koche sie auf und kümmere mich um meine Lieblings-Chaimischung von Prana Chai. Auch die wird abgewogen. Während die Hafermilch langsam aufkocht, schnuppere ich an der Teemischung. Mir läuft bereits das Wasser im Mund zusammen. Die warme Hafermilch wird nun langsam auf die Mischung gegossen. Es dampft und riecht verführerisch in der Küche.
Draußen huscht die Nachbarskatze über die Straße, sie hat etwas gesehen und nimmt die Verfolgung auf. Die Kohlmeisen nehmen lieber Abstand und fliegen vom Zaun hinauf in den Baum. Ich stöbere in meinen Bildbänden, schnappe mir dann den Bildband „Landhäuser in England“ von Barbara und René Stoeltie und platziere ihn in der Sonne auf dem Tisch. Der Chai Latte hat nun lange genug gezogen, ich gieße ihn durch ein Sieb in eine Trinkschale. Dazu nehme ich mir noch ein Stück von der leckeren Matchaschokolade. Nur eines für den Genuss. 😊 Ich mache es mir auf einem Stuhl bequem, nehme einen Schluck (der erste Schluck ist immer der beste) und genieße die Wärme, die sich in mir breit macht. Das zimtige Aroma und all die anderen Gewürze tun gut. Seite für Seite blättere ich im Bildband um und freue mich, dass die Sonne genau auf diese scheint und die Bilder somit noch mehr strahlen als ohnehin schon. Ich gehe auf eine Reise, durchstreife die englische Landschaft und besuche all die wunderbaren Cottages. Stelle mir vor, wie es wäre, dort zu übernachten, vielleicht eine Woche zu verbringen. Schaue, was mir besonders gut gefällt, und lasse mich inspirieren. Der Chai Latte neigt sich dem Ende entgegen, das Stück Schokolade schmilzt auf der Zunge. Nach einer Weile schließe ich den Bildband und räume die Trinkschale weg.
Jetzt möchte ich mich ein wenig bewegen. Ich suche mir eines meiner abgespeicherten Workouts aus, heute etwas für den Rücken. Die Matte breite ich im Wohnzimmer so aus, dass die Sonne mich auch hier erreichen kann. Für den Hintergrund wähle ich ein Hörspiel aus: „Die drei Fragezeichen und der grüne Kobold“. Nach 15 Minuten Recken und Strecken, Dehnen und Verdrehen fühle ich mich gut und räume die Matte wieder weg. Das Hörspiel pausiere ich, beim nächsten Mal kann ich da weiterhören.
Nun greife ich nach meinem Kindle und setze mich direkt ans Küchenfenster. Hier habe ich einen guten Blick nach draußen und kann immer mal wieder die Vögel beobachten. Die Katze liegt jetzt im Garten des Nachbarn und putzt sich ausgiebig. Sie strahlt eine Zufriedenheit aus, die ich selbst auch empfinde. Ich lese ca. 30 Minuten in dem Buch „Rom bin ich“ von Santiago Posteguillo. Gemeinsam stehe ich mit Julius Cäsar in der Basilika und wir stellen uns Seite an Seite gegen den Senat. Die nächtlichen Straßen Roms werden vor meinem inneren Auge lebendig. Ich erlebe ein paar Flashbacks, immer wenn das Forum Romanum erwähnt wird. Ich war vor vielen Jahren in Rom und war ganz begeistert. Gerne möchte ich mit meinem Mann und unserer Tochter dorthin und die antiken Highlights noch einmal besuchen. Ja, eine weitere Reise nach Rom sollte anstehen. Vielleicht ein Wochenende außerhalb der Ferienzeit, da ist es eventuell etwas ruhiger. Da sich ein Kurztrip für uns als Familie immer lohnt, würde dies reichen, um die antiken Stätten zu besuchen.
Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es kurz vor 9 Uhr ist. Noch Zeit für eine Runde Duolingo. Heute behaupte ich mich im Schach und schneide ganz gut ab. Die Partie geht an mich. Langsam meldet sich der Hunger. Ich überlege, worauf ich Lust habe. Meine Familie erwacht und kommt zu mir in die Küche. Gemeinsam bereiten wir das Frühstück vor und starten unser Wochenende.
Alles andere kann warten
Das Prinzip lässt sich natürlich auch am Abend anwenden für die Nachteulen. Genauso gut kann man ja von 22 Uhr bis 0 Uhr sein Ding machen und dann am Sonntag bis 10 Uhr schlafen. Die Uhrzeit an sich spielt hier keine Rolle, nur dass man sich die Zeit für sich nimmt. Hier kann man entspannen oder Sport treiben, spazieren gehen oder auf der Couch liegen. Seinen Interessen hemmungslos frönen. Für mich ist der Morgen perfekt, da ich einfach ein Morgenmensch bin. Diese zwei Stunden gestalte ich ganz frei. Es gibt keinen Zwang für nichts. Seit ich das so handhabe, habe ich immer Zeit zum Lesen oder für andere Hobbys. Wichtig ist hier, dass alles andere warten kann. Einkaufslisten, Mails beantworten, Haushalt, das nächste Meeting, alles, was uns vielleicht sonst so durch den Kopf schwirrt. „Jetzt nicht“ ist die Devise. 😊 Und alle, wie sie mögen.

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