Mit dem Urlaub ist das so eine Sache. Jede/r hat seine ganz eigenen Vorstellungen. Ich selbst bin so groß geworden, dass die Menschen um mich herum unter 14 Tagen erst gar nicht in den Urlaub wollten – das lohnt sich nicht. Doch diese Sichtweise wollte ich nicht annehmen.

„Das lohnt ja gar nicht“, das Mantra aus meiner Kindheit

Von Kindesbeinen an wurde mir immer gesagt, dass ein Urlaub sich erst ab 14 Tagen lohnt. Am besten sollten es 21 Tage sein. Der Sommerurlaub mit nur 7 Tagen lohnt ja kaum. Und wenn es doch mal „nur“ 7 Tage geworden sind, gab es viel Wehklagen. Bei der Hälfte des Urlaubes wurde beklagt, dass die Hälfte schon rum ist. Am Ende war der Urlaub so schnell rum, dass man ihn ja kaum mitbekommen habe. Das kam gar nicht mal so in meiner engsten Familie vor, eher bei den weiter entfernten Verwandten und Bekannten. Den Eltern von Freunden. Später dann hörte ich das Wehklagen bei den Arbeitskollegen in der Gemeinschaftsküche. „Das lohnt ja gar nicht“ war wie ein Mantra. Man hätte ja gar keinen Urlaub gehabt. Ein kollektives Gedankengut, das vererbt wird.

Aber nö. Darauf hatte ich keine Lust. Mit meinem Papa und meiner Mama unternahm ich immer schon Ausflüge in die nahe Umgebung, in die etwas weiter entfernte Stadt. Ganz egal. Es war immer eine Abwechslung, und was ich bereits früh merkte: Wenn ich dem Tag einen anderen Verlauf gebe als gewöhnlich, etwas Neues sehe, dann vergeht die Zeit anders. Und nicht wie „im Flug“, wie der Tenor meiner Umgebung immer war. Denn alles, was schön ist, vergeht ja automatisch wie im Flug (auch das war ein Mantra). Aber ich war auf Ausflügen so beschäftigt mit all den neuen Eindrücken, mein Kopf arbeitete unaufhörlich. Am Abend dachte ich mir oft: Wow, was ich heute alles erlebt habe. Und da sah ich, warum ein Kurztrip sich doch lohnt.

Japan-Urlaub für nur 12 Tage?

Jetzt als Erwachsene habe ich mir das beibehalten können. Wir als Familie sind Entdecker. Wir lieben es, auch in der Welt unterwegs zu sein. Die Länge der Aufenthalte ist dabei nicht das Entscheidende. Ein gutes Beispiel dafür war unser Japan-Urlaub. Es waren 12 Tage. Hier und da hörte ich: „Lohnt sich das? Da fliegt man einmal um die Welt für nicht mal zwei Wochen.“ Ja, es lohnt sich! Die 12 Tage – eigentlich ja weniger, denn die Flugzeit nimmt viel Zeit in Anspruch – waren so intensiv, dass wir alle der Ansicht waren, wir wären bestimmt einen Monat unterwegs gewesen. Was bedeutet das auch schon? 12 Tage, 30 Tage, entscheidend sind die Momente, die man erlebt. Was man aus der Zeit macht. Jeder einzelne dieser 12 Tage zeigte uns eine unbekannte Welt. Straßen, Menschen, Geschäfte, Natur, Toiletten (die ich wirklich vermisse), Essen (das ich, so gut ich kann, nachkoche), alles war anders.

Von morgens bis abends waren wir on Tour. Schliefen in Ferienwohnungen, in traditionellen Unterkünften (Ryokans genannt) und in einem Kapselhotel. Waren im Bambuswald, am Meer, vor einem Vulkan, schwebten über einem Vulkan, in großen und kleinen Städten. Vielleicht führt man sich auch vor Augen, was man von der Reise eigentlich erwartet. Ganz Japan erkunden? Dafür würden auch 21 Tage nicht reichen. Nicht einmal ein Jahr. Und soll ich nun nicht dorthin, weil es sich nicht lohnt, unter einem Jahr extra dorthin zu fliegen? Das Gleiche gilt für Städte. „Drei Tage reichen nicht, um Paris zu erleben.“ Auch hier gilt für mich: 14 Tage werden auch nicht ausreichen. Es gibt immer etwas, das ungesehen bleibt. Meine drei Tage geben mir zweifelsohne Erinnerungen, die bleiben.

Kleine Trips mit großer Wirkung

Ein anderes herrliches Beispiel hierfür war ein Wochenendtrip nach Rothenburg ob der Tauber. Wir fuhren am Freitag hin und kamen am Sonntag wieder, jeweils fünf Stunden Fahrt. „Lohnt sich das überhaupt? Für gerade einmal einen ganzen Tag dort?“ „Ja!“ Erst einmal muss das ja eh jeder für sich selbst entscheiden. Aber für die, die noch zweifeln: Ja! Wir waren im Weihnachtsmuseum, im Kriminalmuseum, umrundeten die Stadt auf der mittelalterlichen Stadtmauer, waren zweimal herrlich essen, genossen die alten Straßen und Häuser. Wir haben an diesem Wochenende keine Zeit verloren, sondern wertvolle Momente dazugewonnen.

Die Dame, die mich fragte, ob sich das gelohnt hätte, sagte mir noch, dass sie selbst gerne einmal nach Rothenburg ob der Tauber möchte, aber es sei zu weit weg, lohne ja nicht. Nun, sie wird nie dorthin kommen, was ja auch schade ist, wenn man es sich recht überlegt. Zum einen ist es natürlich auch eine finanzielle Frage, das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Fahrt kostet Geld, ob mit der Bahn oder mit dem Auto. Die Unterkünfte können günstig sein, wir schauen immer nach preiswerten Möglichkeiten. Und vor Ort spazieren gehen und erkunden kostet nichts. Zum anderen können Kurztrips auch helfen, Geld zu sparen. Denn ein kürzerer Aufenthalt bedeutet auch weniger Übernachtungen vor Ort. Den Flug, die Fahrt zahlt man so oder so.

Wir haben durch diese Einstellung wirklich viel erlebt und gesehen, gerade durch unsere Wochenendausflüge. Wir lernen so unsere Umgebung, in der wir leben, besser kennen. Die kulturellen Unterschiede im eigenen Land zu erkunden, ist sehr spannend, und man merkt schnell, wie wenig man von den verschiedenen Gebieten und den Gebräuchen weiß. Allein einmal im Januar durch das Erzgebirge zu fahren, im Dunkeln, und all die wunderschönen Schwibbögen zu bestaunen, die an so ziemlich jedem Fenster leuchten, ist lohnenswert. Die schönen Bögen stehen dort nämlich bis zum 2. Februar, bis zu Mariä Lichtmess, oder auch bis Ostern. Das kannte ich so nicht. Es sieht aus wie eine Reise durch eine Modellstadt, da kann man sich nur verlieben.

Am Ende geht es sonst nie los

Am Wochenende einfach mal zwei Schlüpfer einpacken und los geht’s! Anfangen kann man auch mit Tagesausflügen: morgens los, abends nach Hause. Man muss nicht auswärts übernachten. Wenn man sich beispielsweise fürs Wandern entscheidet (man kann auch durch die Stadt wandern, von Bezirk zu Bezirk 😊), muss man nicht mal mit dem Auto oder der Bahn los. Unbekannte Straßen, Läden, Wälder und Cafés warten auf euch. Und wenn es doch weiter weg sein soll: Einfach die nächstgelegene Stadt heraussuchen, jede Stadt hat etwas zu bieten. Überall gibt es was zu sehen. Und auch eine etwas weiter entfernte Reise, ins nächste Bundesland oder nach Amsterdam, nach Paris, London lohnt sich für ein Wochenende, wenn man es sinnvoll nutzt und die Beine in die Hand nimmt. Sicherlich ist das nichts für die Menschen, die ein paar Tage brauchen zum Ankommen. Nicht alle sind gleich. Aber für alle anderen: Auf geht’s!

Mit den Urlaubstagen verhält es sich doch bei jedem anders. Jeder muss persönlich für sich schauen, wie lange er wohin mag und kann. Und ich möchte jedem raten, seine Urlaubsträume in Angriff zu nehmen. Am Ende geht es nie in die Traumstadt, an den Traumstrand, in den fünf Stunden entfernt gelegenen Ort, der ja eigentlich schon immer auf der Wunschliste stand. Und noch ein Tipp am Rande: Ich erlebte auch des Öfteren, dass die Menschen vieles nicht in Angriff nehmen, weil sie nicht allein reisen wollen. Die Reise findet also nie statt. Vielleicht sich einer Reisegruppe anschließen? Oder den Sprung wagen und allein auf Tour gehen. Man kann nicht immer warten, manchmal muss man einfach los. Am Ende bleibt es natürlich wie immer dabei: Alle, wie sie mögen. 😊

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2 Antworten zu „Warum ein Kurztrip sich lohnt“

  1. Avatar von Petra Baatz
    Petra Baatz

    Genau richtig! Super Beitrag! Es lohnt sich immer, was neues zu entdecken. Macht Mut, einfach mal auszuprobieren und losfahren..

    1
    1. Avatar von Sandra

      Liebe Petra, ich danke dir 🙂 Auf geht`s!

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