Fotos von Sandra

Mit Büchern und Empfehlungen ist es so eine Sache. Mit Rezensionen im Internet oft nicht so einfach. Trotzdem wage ich mich an dieses Thema und möchte hier, ganz im Zeichen der jetzigen Jahreszeit, vier Bücher für den Frühling vorstellen, die mir allesamt sehr gut gefallen haben. Keines gleicht dem anderen, die Genres könnten nicht unterschiedlicher sein. Gerade das macht es so spannend.

Zeit für einen bunten Mix

Der Frühling ist für mich die Zeit des Erwachens nach einem langen und gemütlichen Winter. Die Zeit, wo ich wieder aktiver werde, weniger zu Hause puzzle und mehr auf der Wiese sitze. Wo ich weniger Kekse backe und mehr mit dem Thermosbecher am Bach sitze. Und die Zeit, in der sich meine Lesegewohnheiten ändern. Weniger englische Krimis. Ein bunter Mix steht an. Mehr Abenteuer und Biografien, einfach weil mir persönlich der Sinn danach steht. Und in der Regel folge ich meinem Sinn. Hier möchte ich nun 4 Bücher vorstellen, die ich allesamt sehr gerne im Frühling las. Sie haben mich inspiriert, mir genau die Stimmung gegeben, die ich brauchte, und eine einzigartige Atmosphäre geschaffen. 😊

Vier Damen und ein verzauberter April

Fangen wir an mit dem Buch „Verzauberter April“ von Elizabeth von Arnim aus dem Jahr 1922. Der Titel verrät ganz gut, worum es geht. Um den April, für mich der Frühlingsmonat schlechthin, und um den Zauber, der ihn umgibt. Die Geschichte startet im verregneten London der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges. Zwei unterschiedliche Frauen, Lotty und Rose, werden durch eine Annonce auf eine einmalige Chance aufmerksam. Ein mittelalterliches Schloss ist an der italienischen Riviera zu vermieten, für einen kompletten April lang. Die Damen müssen sich mit zwei weiteren zusammentun, um sich den Spaß leisten zu können, und schon geht es los. Sie verlassen den Regen, den sie alle satt haben, und auch ihren Alltag, den sie wohl alle auf irgendeine Art und Weise überhaben. Anfangs müssen die Damen sich aneinander gewöhnen, sie sind anderer Meinung, sie sind teilweise verbittert und oberflächlich. Doch dieser Ort hat, wie der Buchtitel sagt, etwas Verzaubertes an sich. Wenn die Judasbäume und die Glyzinien beschrieben werden, wie sie erblühen, dann kann ich sie auch sehen, und wenn die Sonne scheint, dann scheint sie auch bei mir zu Hause.

Die Tage vergehen gemächlich, die Damen tauen auf und besonders eine ist so voller positiver Energie und Vertrauen ins Leben, dass es einfach abfärben muss. Es geschehen noch allerhand verschiedene Dinge, komische, unvorhersehbare und vor allem herzliche Momente. Das Buch las ich im April vor zwei Jahren und ich musste ziemlich oft schmunzeln. Es ist vielleicht etwas „kitschig“, das ist Geschmackssache. Ich würde es eher „romantisch“ nennen. Hier geht es darum, wie die Veränderung der Umgebung uns inspirieren kann, unser Leben zu überdenken. Die Veränderung tragen wir dann bei uns und sie bleibt uns erhalten. „Für jene, die Glyzinien und Sonnenschein zu schätzen wissen.“ – Zitat aus dem Buch. 😊

Einmal nach Wien bitte

Mein zweites Buch las ich im letzten Jahr im Mai, und zwar an dem Ort, wo die Geschichte spielt. „Das Café ohne Namen“ von Robert Seethaler stammt aus dem Jahr 2023 und spielt im Wien der 60er und 70er Jahre. Das Buch selbst in Wien zu lesen, gibt dem Ganzen noch einmal eine extra Portion Feeling. Ich saß bei der Karlskirche im Sonnenschein und las, ganz nach meinem Geschmack. Die Geschichte erzählt von der Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Stadt sich wieder etwas erholt hatte. Der junge Protagonist Robert wagt einen Neuanfang, ein eigenes Café. Er versäumt es, diesem einen Namen zu geben, deswegen der Buchtitel, aber das spielt auch keine Rolle. Vielmehr ist das Café von nun an ein wichtiger Platz für die Menschen aus dem Viertel. Wir lernen hier die Leute kennen, die Arbeitslosen, die Lebenskünstler, die Marktarbeiter und die Einsamen. Wir werden Zeuge von Romanzen, von Schicksalen, von Freude und Leid. Den klassischen Spannungsbogen gibt es hier vielleicht nicht, das Buch lebt einzig allein von seiner Atmosphäre.

Ich mag solche Bücher sehr gerne, Bücher, die einfach eine Geschichte vom Leben erzählen. Ohne aufgezwungene Highlights. Ich sehe es so, dass das Leben an sich spannend genug ist. Eine gut erzählte Lebensgeschichte, egal wie aufgeregt oder unaufgeregt, ist von daher genau das, was ich liebe. Hauptsache authentisch. Wien ist eine schöne und spannende Stadt. Fernab der touristischen Pfade gibt es herrliche Straßen und wunderschöne Architektur. Dort entlangzustreifen und dabei an Robert und seine Mitmenschen zu denken, war ein schöner Abschluss unseres Wien-Trips. „Man sollte sich immer ein bisschen mehr Hoffnung als Sorgen machen. Alles andere wäre doch blödsinnig, oder?“ – Zitat aus dem Buch. 😊

Die berüchtigte Buddel voll Rum

Kommen wir nun zu einem echten Klassiker: „Die Schatzinsel“ von Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1883. Dieses Buch hat fast alles geprägt, was wir heute mit Piraten verbinden. Sei es das Holzbein oder der sprechende Papagei. Und vielleicht auch die Tatsache, dass ein Pirat nicht durchweg „böse“ ist, sondern durchaus sympathisch sein kann (siehe die moderne Version: „Jack Sparrow“). Die Schatzinsel las ich vor zwei Jahren im April und prompt ergriff mich die Abenteuerlust. Die Geschichte beginnt düster in einem Gasthof an der englischen Küste im 18. Jahrhundert. Der junge Jim Hawkins findet eine Schatzkarte, und was tut man, wenn man eine Schatzkarte findet? Genau: Man sucht sich eine Truppe, ein Schiff und stürzt sich ins Abenteuer. Denn wenn ein Schatz wartet, zieht man nun einmal los. Und so sitze ich mit Jim und all den Matrosen und seinen Freunden zusammen auf dem Schiff Hispaniola und wir segeln Richtung Schatzinsel.

Doch nicht nur Freunde begleiten uns, auch der berüchtigte Pirat Long John Silver und seine Männer, getarnt natürlich. Auf der Insel stellen sich viele Fragen: Wer ist Freund und wer ist Feind? Wer weiß was? Wie kommen wir an den Schatz? Mit wem können wir verhandeln? Hier geht es einerseits ums nackte Überleben und auf der anderen Seite auch darum, die Menschlichkeit und Moral nicht an den Nagel zu hängen. Wir sind mutig, vielleicht aber auch übermütig. Ich mag das Buch, weil wir hier keine typische Heldengeschichte haben. Der Bösewicht ist nicht nur böse, er ist intelligent und tatsächlich hin und wieder sympathisch. Hier möchte man am liebsten gleich in See stechen und schauen, was das nächste Ufer bringt. „Fünfzehn Mann auf des toten Manns Kiste – Jo-ho-ho und ne Buddel voll Rum!“ – Zitat aus dem Buch. 😊

Zweifache Königin des Abendlandes

Abschließend komme ich zu einer Dame, die mich ganz besonders fasziniert hat: Eleonore von Aquitanien. Sie war sowohl französische sowie englische Königin im 12. Jahrhundert. Was allein schon ausreicht, um eine Sensation zu sein, in dieser Art gab es das nie wieder. Eine Frau, die wusste, was sie wollte, die Risiken kannte und dementsprechend agierte. In dem Buch „Königin der Troubadoure“ von Régine Pernoud aus dem Jahr 1965 wird ihr aufregendes Leben geschildert, eines dieser Leben, wo man denken könnte, das hat sich ein besonders fantasievoller Mensch ausgedacht. Hier sieht man wieder: Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Eleonore wurde in jungen Jahren Königin von Frankreich, und nachdem diese Ehe annulliert wurde, heiratete sie ziemlich fix den englischen König Henry II. aus dem Haus Plantagenet. Die Vereinigung der beiden vergrößerte das Reich ungemein, so brachte Eleonore ihr Reich Aquitanien mit sich, eines der größten und reichsten Gebiete im heutigen Frankreich. Sie war vor allem eine Strategin, eine Frau, die politischen Einfluss hatte und bis ins hohe Alter (sie wurde 82 Jahre alt) diplomatisch aktiv war und selbstständig verhandelte. Sie sprach mehrere Sprachen und war Förderin der Ritterkultur, der höfischen Liebe, so stammte sie doch vom großen Troubadour Wilhelm IX. von Aquitanien ab. Die Troubadoure waren bekannt für ihre Lieder, für ihren Humor und für die Liebe zum Schönen im Leben.

Nebenbei war Eleonore die Mutter von 10 Kindern, unter anderem von Richard Löwenherz und dem bekannten John Ohneland, der später als Bösewicht in der Robin-Hood-Sage fungiert. Dies sind nur ein paar Einblicke aus dem Leben einer einzigartigen Frau, die sich im Mittelalter durchsetzte und behauptete. In der Biografie wird man Zeuge/in Eleonores Entwicklung, ihres Wachstums. So mag man einiges verwerflich finden, doch es ist die Geschichte einer Königin, die so, wie es aussieht, letztendlich ihren Frieden gefunden hat, die ein turbulentes Leben gelebt hat, mit Aufs und Abs. Eine Rebellin, eine zweifache Königin. Das Buch las ich vor drei Jahren im Frühling und es inspirierte mich dazu mehr Biografien von Königinnen zu lesen. „Sie war die Verkörperung jener höfischen Welt, in der die Frau zum ersten Mal in der Geschichte des Abendlandes den Platz einnahm, der ihr gebührte: den im Herzen der Dichtung und im Zentrum der Macht.“ – Zitat aus dem Buch. 😊

Neuanfänge und Tollkühnheit

Das waren nun vier meiner Bücher, die ich alle im Frühling las und die mich alle durchweg bewegt haben. Geschichten von Neuanfängen, die davon erzählen, Altes abzuschließen und seinen Frieden zu machen. Geschichten, die von Mut erzählen, vom „Einfach-Anfangen“ und vom „Weitermachen“. Geschichten von Tollkühnheit und Abenteuerlust, vom Suchen und Finden. Wahre Geschichten, die persönliches Wachstum zeigen und Zufriedenheit. Für mich alles Dinge, die in diese besondere Jahreszeit des Anfangs passen. Ich hoffe, ich konnte hier ein paar Ideen vermitteln, ein paar Anreize schaffen für den nächsten Buchkauf. Natürlich bin ich selbst neugierig, welche Bücher hier die eine oder der andere empfehlen. 😉

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