








Wir verbringen unseren Urlaub am liebsten als Familie zusammen, entdecken und erforschen alles um uns herum. Doch einmal, da musste ich meinen Urlaub allein nehmen, und dabei öffnete sich eine Tür für mich, die bis heute offen steht und mein Leben zusätzlich bereichert.
Resturlaub Ende Mai
Ich beschrieb bereits in einem anderen Artikel, wieso ich meine Gesellschaft mit mir allein so sehr zu schätzen weiß. Hier möchte ich nun darauf eingehen, wie ein Ereignis mich darin bestärkte und auch, welche Solodates mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Vor ein paar Jahren war ich dabei, den Job zu wechseln, und nahm meinen Resturlaub Ende Mai, der noch stolze zwei Wochen betrug. Meine Tochter hatte Schule, mein Mann arbeitete, und ich beschloss, die zwei Wochen wie einen richtigen Urlaub zu verbringen – einen Urlaub zu Hause. Was als eine nette Idee anfing, wurde zu einem vollen Erfolg, und vor allem stand mein Heimurlaub einem Urlaub außerhalb der vier Wände in nichts nach. Aber warum befindet sich dieser Artikel unter der Rubrik „Reisen“? Na, weil Reisen nicht immer in die Ferne führen müssen.
Solowanderung
Ich überlegte mir, was ich alles in dieser Zeit machen könnte, sammelte Pläne. Das Wetter war gut, und ich wollte so viel Zeit wie möglich draußen verbringen. Mein erster Plan sah eine große Wanderung vor. Auf Google Maps legte ich mir eine Route zurecht – 30 km, eine große Runde, könnte man so sagen. Ich plante drei Stopps ein, zum Verweilen und für Snacks. Genug Wasser hatte ich dabei, und los ging es. Vorbei an kleinen Teichen, durch Waldstücke, vorbei an Kühen und Pferden, an Wiesen und Feldern voller Wildblumen. Mein erster Stopp war in einem kleinen Dorf vor einer sehr alten Dorfkirche. Da ich früh losging und es ein Wochentag war, saß ich dort völlig allein, es war ruhig und entspannend. Die Sonne schien, und ich genoss die Pause. Der nächste Stopp war dann eine Landbäckerei, wo man herrlich draußen sitzen konnte. Ich suchte mir ein schattiges Plätzchen und freute mich tierisch auf meinen Kuchen. Ich aß ein Stück Heidelbeertarte, trank heiße Schokolade und dachte mir: „Das Leben ist schön“. Weiter ging es in Richtung zu Hause, über einen großen Friedhof, auf dem alles blühte. Auch hier war ich fast allein, streifte zwischen den großen Bäumen umher und lauschte dem Gezwitscher der Vögel. Der Rhododendron erstrahlte in verschiedenen Farben. Ich mag die pinken am liebsten. Während der ganzen Wanderung über hörte ich keine Musik, nicht einmal ein Hörspiel. Was nicht schlimm gewesen wäre, aber ich wollte irgendwie komplett da sein und nicht abdriften. Wollte alles um mich herum sehen und aufnehmen. Zu Hause angekommen, legte ich mich auf die Couch und war mehr als zufrieden. Das war ein guter Start in meinen Urlaub.
Waffeln zum Frühstück
Was ich in diesen Tagen auch fast täglich machte: Ich aß ein pompöses Frühstück. Wenn meine Tochter sich auf den Weg zur Schule machte, fing ich an, Waffeln zu backen oder Pfannkuchen zu machen. Ganz ohne schlechtes Gewissen, ich konnte ja was für meine Liebsten aufheben. 😊 Ich kreierte Smoothies dazu oder Heißgetränke. Ich aß vor dem Fenster in der Sonne oder im Bett. Las dabei oder schaute eine Folge einer Serie. Ich ließ mir bewusst Zeit. Manchmal lag ich danach noch eine Weile auf dem Bett und tat gar nichts. Ich probierte neue Gerichte aus. Ich versuchte mich am indischen Palak Paneer und buk Kuchen mit Heidelbeeren. Wenn ich spazieren ging, dann gerne meine übliche Runde, am Bach vorbei, am Feld vorbei. Ich beobachtete die Natur und und freute mich über jedes Reh, das ich über die Wiese flitzen sah. Am Nachmittag war meine Familie wieder da, und sie konnten von meinen Back- und Kochkünsten probieren. Diese Zeiten der Ruhe und des Ausprobierens waren sehr kostbar.
Serien- und Filmmarathon genießen
Weitere Pläne sahen vor, mal wieder Serien zu schauen, die ich lange nicht mehr sah. Ich entschied mich für ein paar Folgen „Ghost Whisperer“. Jede Folge genoss ich mit einem leckeren Getränk und Snacks. Dort geht es um eine Frau, die mit Geistern Kontakt aufnehmen kann. Es kann etwas gruselig werden, vor allem sind die Folgen aber sehr rührend. Auch „Columbo“ sah ich mal wieder und freute mich über meine Kindheitserinnerungen an die Serie. Columbo war für mich der Start in die Krimiwelt, mein erster Detektiv sozusagen. Filme aus dem berühmten Studio Ghibli flimmerten über die Leinwand. „Die letzten Glühwürmchen“ sah ich in dieser Zeit zum ersten Mal. Ein wirklich toll gemachter, aber auch trauriger Film über zwei Geschwister, die versuchen, in den Wirren des Zweiten Weltkrieges in Japan zu überleben. Auch wollte ich mal wieder den Bleistift schwingen und versuchte mich an einem neuen Bild. Ich zeichnete eine Ratte (Ratten sind wirklich ganz tolle Tiere, man muss sich nur einmal über sie belesen 😊) und war mit dem Ergebnis recht zufrieden. Natürlich durften auch keine Cafédates mit mir selbst fehlen. Mein Lieblingscafé mit Buch wurde aufgesucht. Eines meiner Lieblingsbücher, „Joyland“ von Stephen King, las ich dort mal wieder, was ein guter Start in den Sommer war. Rätselraten war auch so eine Sache während der Zeit. Ich machte Sudokus und diverse Exit Games. Ich knoble gerne, ganz im Sinne der großen Detektivmeister, wo wir wieder bei Columbo wären.
Museum, Pasta und Buchhandlung
Ein Besuch im Museum stand an. Es war warm an dem Tag, deswegen ging ich ganz früh los, um nicht allzu sehr ins Schwitzen zu kommen. Im Museum war es dann angenehm kühl, und ich verweilte bei den Gemälden, so lange ich wollte. Ich ging ins Restaurant nebenan und gönnte mir eine riesige Portion Pasta mit Trüffelsoße. Eigentlich fühlte ich mich wie „Gott in Frankreich“, wie man so schön sagt. Und das alles daheim. Nicht auf einer fernen Insel, sondern in der gewohnten Umgebung. Diese Momente mit mir allein sind mir stark im Gedächtnis geblieben, denn sie waren der Startschuss für mich, das zu tun, was ich eigentlich schon immer für normal hielt: allein zu sein, aber dabei nicht einsam zu sein. Gerade erst vor ein paar Tagen nahm ich mir einen Nachmittag für mich und fuhr in meine Lieblingsbuchhandlung. Ich verweilte zwei Stunden dort und las mal hier, mal dort hinein. Auch in einem meiner liebsten Cafés war ich und durfte ein neues Getränk probieren, das noch gar nicht auf der Karte stand. Danach ging es nach Hause, und ich berichtete meiner Familie von meinen Entdeckungen. Für meine Tochter fand ich noch ein Buch. 😉
Neben Arbeit und Verpflichtungen
Wenn man lernt, das „Gewohnte“ weiterhin als etwas „Besonderes“ zu betrachten, dann hat man eine Menge für sich gewonnen. Seit diesem Urlaub genieße ich meine Zeit für mich mehr als zuvor. Manchmal braucht es einen Anstoß. Bis jetzt unternehme ich Ausflüge allein und habe auch gelernt, dass ich diese brauche. Ich weiß, dass unsere Zeit mit unseren Liebsten kostbar ist. Und ich liebe jeden Moment gemeinsam. Wir haben unsere Arbeit und Verpflichtungen. Aber es gibt diese Momente dazwischen, die wir voll auskosten können. Wenn ihr also noch ein paar Resturlaubstage habt, die ihr allein verbringt, seht es doch als wertvolle Zeit, die ihr mit euren Hobbys und Interessen füllen könnt. Ich hatte von klein auf meinen Papa als Vorbild, der stets seine Zeit mit Reisen und Ausflügen in die nahe Umgebung verbrachte. Auch meine Mama konnte sich stundenlang mit ihren Hobbys beschäftigen. Es war für mich schon immer normal, sich Zeit für sich zu nehmen. Meine Tante hat neulich einen Urlaub allein unternommen, sie schloss sich einer Reisegruppe an und ab ging es nach Venedig. Das war ihr erster Solourlaub. Auch wenn sie in einer Gruppe war, so kannte sie doch niemanden, was sie nicht davon abhielt, ihren Wunschtrip in die Tat umzusetzen. Das fand ich toll! Und das nächste Abenteuer wartet gleich vor der Haustür. Oder wartet in den eigenen vier Wänden in Form von kulinarischen Highlights auf. Ob nun allein, in einer Gruppe oder mit den Liebsten, ganz egal. Alle, wie sie mögen. 😊

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