Sommer-Nostalgie

Es ist Sommer, es ist warm, die Sonne ruft uns hinaus und die Cafés winken mit eiskalten Erfrischungen. Für manche ist der Sommer für Action da, für manche zum Ausspannen. Für mich ist er ein Erinnern an die Schulzeit, an die ewig langen Sommerferien. An das Gefühl des Unendlichen. Pure Nostalgie im besten Sinne. Und ein Startschuss dafür, alles noch einmal erleben zu dürfen.

Zurück in die Sommerferien

Der Sommer ist natürlich in vielerlei Hinsicht etwas Besonderes. Die meisten von uns nehmen hier ihren Jahresurlaub, wir sind mehr draußen als im übrigen Jahr, wir gehen baden am See, im Meer, im Freibad. Wir essen mehr Eis als sonst und viele trinken Cocktails draußen in den Bars. Für mich ist der Sommer aber vor allem eins: süße Nostalgie. Die Zeit, in der ich auf meinem Feld spazieren und die Grillen zirpen höre und in der ich das warme Gras rieche, was mich prompt in meine Kindheit versetzt. Wo überall diese „warmen“ Gerüche auf mich warten: Die Kiefern, der See, Rosen. Warme Erde, die duftet wie etwas Beruhigendes. Ich spüre wieder die Vorfreude, die ich als Kind spürte, die Vorfreude auf den endlos langen Sommer mit seinen Ferien, die sich anfühlten wie ein halbes Leben, und das jeden Sommer, jahrelang. Der Sommer bringt mich immer wieder dorthin, in meine Schulzeit mit all den Sommerferienabenteuern und dem Gefühl, dass ich vor etwas ganz Großem stehe, etwas, das sich vor mir ausbreitet in eine Weitläufigkeit, in der ich mich verlieren möchte. Aufgeregt, mit Bauchkribbeln, gehe ich heute meine Wege entlang und lausche dem Klang des Vergangenen. Nachts schlafen wir mit offenem Fenster, die Vögel singen ein Gutenachtlied. Und es gibt eine Sache im Speziellen, die ich vor ein paar Jahren erst wieder für mich entdeckt habe: Das Freibad.

Freibad, Pommes, 3-Meter-Brett

Für viele ist das Freibad wahrscheinlich ein Graus. All die Kinder, die vom Beckenrand springen, obwohl sie es nicht dürfen, das Geschrei der entzückten Kleinen, wenn es so richtig platscht. Der Duft von Pommes und überall flitzt irgendwer herum und verspritzt Wassertropfen. Die Schlange am 3-Meter-Brett ist lang und jeder Sprung ein Sprung in den Sommer. Ich liebe es. Für mich ist das der Inbegriff von Lebendigkeit. Vor ein paar Jahren noch war ich dem gegenüber nicht so aufgeschlossen. Immerhin ist das Baden im Meer oder im See viel schöner, war meine Meinung. Aber mit Kind, das gerne vom Brett springt und auch mal Wasserrutsche rutschen möchte, geht man nun einmal ins Freibad. Es war eine reine Einstellungssache (wie so vieles im Leben entscheiden wir, wie wir an die Sache herangehen möchten) und ich öffnete mich dafür. Wir entdeckten ein tolles in der Nähe, nicht so riesig wie manch andere. Es war wie eine Zeitreise in meine Kindheit, in der ich oft im Freibad war. Wochenlang ging ich mit meinen Freunden fast täglich dorthin, von morgens bis abends. Wir besaßen alle Sommerpässe und bekamen günstigen Eintritt. Ich esse nicht gerne Pommes, aber dort angekommen, in unserem kleinen, feinen Freibad vor ein paar Jahren, da wollte ich Pommes essen. Ich wollte ein Teil von dem sein, was sich um mich herum abspielt. Es ist ein Vibe, ein gewisses Gefühl von Sorglosigkeit und des Im-Moment-Lebens. Es gibt mich und meinen Sprung ins kühle Nass und all die anderen um mich herum, die sich genauso auf ihren Sprung freuen. Wieder erklimme ich das 3-Meter-Brett, rutsche ins Nass. Ich freue mich jedes Jahr auf den Beginn der Freibadsaison.

Schnorcheln und Buchten entdecken

Wenn das Planschen im Freibad schon herrlich ist, ist es natürlich im Meer auch nicht schlecht. Wir drei sind absolute Schnorchel-Fans und machen uns jedes Jahr auf die Suche nach neuen Buchten und Stränden. In meinem Artikel „Nichts ist für die Ewigkeit: Warum wir keine Angst haben müssen, Neues auszuprobieren“ beschrieb ich schon einmal, wie ich vom Schnorcheln zum Tauchen kam. Zum Schnorcheln kam ich durch meine Tochter. Da wir mit Kleinkind gerne Strandurlaub machten, wollten wir uns an diesem auch gut beschäftigen. Wir neigen nicht dazu, lange am Strand zu liegen und einzuschlafen. Also musste ein Hobby her. Schnorcheln war naheliegend, smit probierten wir es aus. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich das erste Mal unter Wasser die Augen mit Maske öffnete und staunte. Über die Farben des Sandes am Grund, über das Blau in der Ferne, über die Pflanzen- und Tierwelt. Es war überwältigend. In diesem Urlaub damals konnte ich gar nicht genug davon bekommen. Ich war traurig, als der Urlaub vorbei war, sagte mir aber später, dass ich mich so immer wieder darauf freuen kann und es etwas Besonderes bleibt. Ich trauere nicht Dingen nach, die ich nicht ändern kann und will. Ich lebe nun einmal nicht am Mittelmeer, wo das Wasser warm ist zum Baden (ich bin ein Warmduscher, die Ostsee ist mir für einen längeren Aufenthalt zu kühl 😊).

Ich lebe hier und bin glücklich darüber. Also spüre ich diese Vorfreude jedes Jahr und es versetzt mich in eine schöne Nostalgie. Zu den Anfängen des Schnorchelns, zu meiner Entdeckung des Meeres und meiner Liebe dazu und auch an die Zeit, in der unsere Tochter schwimmen lernte. Ein Schnorchel-Spot, der uns besonders gut gefiel, war in Griechenland auf der Halbinsel Chalkidiki, nahe der Stadt Sarti. Die Bucht nannte sich „Herzbucht“. Der Sand dort war wunderschön, er glitzerte golden und schwarz, voller Reflexe. In einer weiteren Bucht in der Nähe waren wir allein, stundenlang nur wir drei, das Meer, die Fische und die Zikaden. Wir schwammen weiter raus, machten Rast auf einem Felsen, beobachteten kleine Krebse und sprangen wieder hinein. Ein recht einsamer Strand war dort auch zu entdecken. Auf jeden Fall lohnt sich diese wunderschöne Ecke Griechenlands. Das Gefühl, wenn man ganz untertaucht im Meer und die kleinen Luftbläschen an die Oberfläche schweben, ist unbeschreiblich.

Sommer in der City

Ich liebe die Natur, genauso sehr liebe ich die Kultur und Städte. Ein Sommer in der City ist pulsierend und für mich voller Iced-Matcha-Lattes. Überall gibt es Veranstaltungen, sitzt man draußen und lebt in vollen Zügen. Ich suche mir gerne Plätze im Schatten und lese, schlendere mit meiner Familie durch das Herz der Stadt und sauge all das Leben um mich herum auf. Wir waren einmal im Hochsommer in Detroit, USA. Es war wirklich heiß, über 30 Grad jeden Tag. Die Spaziergänge teilweise beschwerlich. Aber die Freude auf das nächste kühle Getränk und die Pause am Detroit River, mit einer leichten Brise und dem Blick auf Kanada, eine Wohltat. Auch in Berlin ist es fantastisch. Ein langer Spaziergang entlang der Spree, dann hin zum Berliner Dom, zum Hackeschen Markt, um die Marktstände zu besuchen und leckere Köstlichkeiten zu probieren. Es gibt zahlreiche Cafés, die sich dort im Umkreis lohnen! Apropos Köstlichkeiten: Es gibt endlich frische Erdbeeren, mein Lieblingsobst. Es wird Zeit für einen eisgekühlten Erdbeer-Matcha-Latte. Die Tage sind lang und am lauen Abend auf irgendeiner Bank Sushi essen mit einer guten Freundin macht Spaß, probiert es aus. Städte überall haben sehr viel im Sommer zu bieten. Von Strandbars bis hin zu Open-Air-Konzerten. Für die, die es gerne etwas ruhiger mögen, gibt es überall Bänke, die darauf warten, besetzt zu werden. Mit Freunden zum Quatschen, zum Lesen oder einfach, um die Seele baumeln zu lassen.

Sommerbücher und das Innere Kind

Und dann gibt es da noch die unzähligen Sommerbücher. Ich spaziere durch Montmartre in Paris und rieche frische Croissants, besuche einen alten Friedhof und decke zusammen mit ein paar Katzen ein Verbrechen auf („Die Katzen von Montmartre“ von Tessa Korber), bin dann an der englischen Küste, sehe ihre Wildheit und rieche das Salz im Meer („Offene See“ von Benjamin Myers). Schnapp mir einen Sommerkrimi von Agatha Christie oder einen Teil aus Lilian Jacksons „Die Katze, die…“-Reihe. Ich liebe Sommerbücher. Die Geschichten, die so oft von dem „einen“ Sommer handeln, vom Abenteuer des Lebens, von Erkenntnissen und der Jugend. Wo wir wieder bei der Nostalgie sind. 😊 Ich werde in meinem nächsten Artikel auf ein paar meiner liebsten Sommerbücher näher eingehen und diese vorstellen. Der Sommer hat so viel zu bieten. Egal wo wir sind. Auf einer Insel, am Strand, in der Stadt, auf dem Dorf, es spielt keine Rolle. Der Sommer umgibt uns wie eine große Wolke voller Lebensenergie und Erinnerungen, voller Träume, die wir einst hatten und immer noch haben! Wir sind mittendrin im Taumel aus flirrender Hitze, kühlem Nass, Eis, Schwitzen und Entspannen. In keiner Jahreszeit bin ich meinem inneren Kind so nahe (vielleicht noch direkt an Weihnachten 😊). Ich spüre Gefühle, die ich hatte, als ich 11 war, und schätze mich glücklich. Ich kann sie mir bewahren und jeden Sommer aufleben lassen. Das innere Kind, das ins Freibad möchte, zum 3-Meter-Brett, und Pommes isst (und zwar nur dort). Habt einen schönen Sommer. Alle, wie sie mögen.

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