
Fremde Kulturen sind für uns Menschen seit jeher faszinierend. Schon immer wollten wir von anderen lernen, uns austauschen und selbst wachsen. Nach jeder Reise kommt man etwas anders zurück – so heißt es doch. Und das Schöne ist: Wir können das von den Kulturen, das uns besonders gut gefällt, einfach in den Alltag integrieren.
Wie die Pyramiden mir eine facettenreiche Welt zeigten
Ich habe über Souvenirs und über die Gaumenfreuden nach der Reise geschrieben, nun möchte ich etwas allgemein auf die kulturellen Errungenschaften nach der Reise eingehen. Essen und Trinken gehört natürlich auch zur Kultur, aber diesem Kapitel habe ich einen eigenen Teil gewidmet, einfach weil die Gaumenfreuden in meinem Leben einen so wichtigen Aspekt einnehmen. Hier möchte ich nun ganz lose über kulturelle Eindrücke schreiben, die mich bis heute nach der Reise durch den Alltag begleiten. Meine erste Erfahrung dahingehend machte ich bereits als Kind nach meinem Urlaub in Ägypten. Damals war ich 13 Jahre alt. Ägypten hatte mich verblüfft. Natürlich liebte ich das warme Wetter, mit 13 fand ich es ganz toll, in der Sonne zu liegen und mich zu bräunen. Heute liege ich unter dem Sonnenschirm, geschützt mit einem UV-Shirt. So ändert sich das. 😊 Vor allem war ich aber von all den „alten Göttern“ begeistert. Die Pyramiden und alles, was damit zu tun hat, zog mich dermaßen in den Bann, sodass ich nach dem Urlaub viele Bücher zu dem Thema las und Papyrus meine Kinderzimmerwand schmückte. Mein Interesse an vergangenen Hochkulturen, das bis heute gelegentlich aufpoppt und mir einige spannende Stunden in Form von Reportagen, Museen und Büchern beschert, fasste Fuß in diesem Urlaub. Ich weiß noch heute, wie ich mich fühlte, als ich begriff, dass die Welt groß und facettenreich ist und schon einiges vor uns geschah, dass es Hochkulturen gab, die untergingen und in Erinnerungen weiterleben und lebendig gehalten werden. Genau wie unser Urlaub. Er geht vorbei, aber wir können ihn lebendig halten.
Die japanische Lebensphilosophie findet Einzug in meinem Leben
Mein Urlaub in Japan, vor nicht allzu langer Zeit, eröffnete mir einen neuen Einblick in die Kultur anderer Länder. Es ist weithin bekannt, dass die Japaner/innen höflich sind, dass die Straßen sauber und die Züge pünktlich sind. Tokio ist in der Tat eine riesige Stadt, in der, wie ich es empfand, alles seinen Weg geht. Man könnte sagen, es funktioniert, und das macht diese Großstadt weniger stressig. Nun wird den Japaner/innen aber auch oft nachgesagt, dass sie nach außen hin freundlich sind und ihre wahren Emotionen nicht zeigen. Ich wollte mich mehr damit auseinandersetzen und las zwei ganz wunderbare Bücher über die japanische Lebensphilosophie: „Ikigai“ und „Nagomi“ von Ken Mogi. „Ikigai“ bedeutet so viel wie: Der Grund zum Leben, der Grund, jeden Morgen aufzustehen, und damit ist nicht unbedingt die Arbeit gemeint. 😉
Es kann der Morgenkaffee oder das gemeinsame Abendessen sein. Es sind die kleinen Dinge, die uns glücklich machen und antreiben. Jeder kann sein eigenes Ikigai finden. Die Säulen des Ikigai in dem Buch werden folgendermaßen beschrieben:
- Klein anfangen – auf die ersten kleinen Schritte eines Projektes konzentrieren
- Loslassen lernen – das eigene Ego zurückstellen
- Harmonie und Nachhaltigkeit – mit der Gemeinschaft und der Natur
- Die Freude an kleinen Dingen entdecken – das Schöne im Alltag sehen
- Im Hier und Jetzt sein – im „Flow“ sein
Vor allem den Aspekt „Die Freude an kleinen Dingen entdecken“ empfand ich als wertvoll. Damit verbinde ich auch, die Dinge für mich zu tun, nicht wegen des Lobes für all die Mühe, sondern einfach wegen der Freude an der Sache. Es muss nicht immer einen Grund geben für dieses und jenes, was wir tun, es muss uns nur Freude schenken. „Nagomi“ erklärt, wie es uns möglich ist, in Harmonie, Gleichgewicht und Gelassenheit leben zu können. Selbstakzeptanz spielt hier eine Rolle. Was mich hier besonders interessierte: Die Meinung der anderen muss nicht immer angefochten werden. Man muss nicht alles diskutieren, man kann auch in Frieden miteinander leben, wenn man nicht in allem übereinstimmt. Es gibt zahllose Beispiele aus den Büchern, die wertvolle Anregungen verschaffen, ich kann hier leider nicht auf alle eingehen. 😊
Versuchen zu verstehen
Aber ich möchte noch einmal darauf eingehen, wieso die Japaner/innen oft so gesehen werden, als würden sie ihre wahren Emotionen nicht zeigen. Die Anekdote stammt aus dem Buch Ikigai und half mir besser zu verstehen:
Während der Edo-Zeit (1603–1868) beschloss das Schogunat strenge Regeln zwecks Luxus. Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, wurde verboten, öffentlich Reichtum durch Seidenstoffe, etwa beim Kimono oder Ähnlichem, zur Schau zu stellen. Die Menschen entwickelten eine List. Die Kimonos wurden nach außen hin schlicht gehalten, das Futter dieser jedoch prächtig ausgestattet. So konnten die Menschen diese schönen Dinge für sich selbst genießen, ohne damit Eindruck zu schinden.
Das fand ich spannend und aufschlussreich. Ken Mogi führt hier auf, dass die Freude oft im Privaten liegt, es geht um das persönliche Empfinden, nicht um die Zurschaustellung. Das kann man natürlich auch für negative Gefühle anwenden. Die äußerliche Freundlichkeit, die dem Umfeld dient, und die wahren Empfindungen, wie vielleicht die schlechte Laune am Morgen, können separat verstanden werden. Dadurch sind die Japaner/innen nicht „heuchlerisch“, was ich ab und an hörte. In ihrer Kultur wird es einfach anders gehandhabt. Und um ehrlich zu sein, finde ich es nicht schlimm, wenn wir auf der Straße, beim Einkaufen oder beim Arzt freundlich zueinander sind. Unsere „wahren Gefühle“ müssen wir nicht verstecken, aber müssen wir einen unschuldigen Passanten anpampen, weil wir einen schlechten Tag hatten?
Musik aus Italien als Garant für den Sommer
Weiter geht’s nach Italien, eines meiner Lieblingsurlaubsziele in Europa. Italien bedeutet für mich Lebensfreude und leckeres Essen. Und noch etwas: Musik. Ich meine hier die klassischen italienischen Songs aus den 80ern: „Felicità“ von Al Bano und Romina Power oder „Mamma Maria“ von Ricchi e Poveri. Gerne gehe ich noch weiter zurück ins Jahr 1968: „Azzurro“ von Adriano Celentano. Vor allem Adriano hat es mir seit Kurzem angetan. Sein Song „Il ragazzo della via Gluck“, in dem er von einem Jungen singt, der sein Zuhause verließ und nach vielen Jahren zurückkommt und sieht, dass nichts mehr ist, wie es war, ist sehr berührend. Diese Songs sind besonders stimmig, wenn man am Gardasee in einer Unterkunft aus den 70ern untergebracht ist, alles originalgetreu. Morgens, wenn die Zikaden zirpen, die Pinien duften und ich auf dem Balkon sitze, mit Blick auf den See und die frühe Sonne genieße, mit den guten alten italienischen Klassikern – das ist schon etwas Besonderes. Zuhause dann geht es weiter. Morgens ein Heißgetränk, in der Sonne am Fenster sitzen und Adriano schmettert seine Songs. Italien ist dann ganz bei mir. Die Leichtigkeit, die ich immer in Italien empfinde, ist mir erhalten geblieben. Die schönen Seiten des Lebens genießen, das habe ich mir beibehalten. 😊
Die persönliche Entwicklung macht Spaß
So habe ich einiges mitgenommen aus all den Ländern. Meine Vorliebe für den Tee, für die Teezeit samt Zeremonie, habe ich aus Japan und auch aus Großbritannien. Mein Interesse an Geschichte wurzelt mitunter in Ägypten und nahm so in den Städten Deutschlands und in der Geschichte Englands so richtig Fahrt auf. Philosophische Bücher fanden Einzug durch die Beobachtung der japanischen Bevölkerung, und einiges konnte ich selbst für mich mitnehmen und im Alltag integrieren. Auch der Stoizismus aus Griechenland hat Eindruck auf mich gemacht. Denn manchmal muss man die Dinge nehmen, wie sie sind, wenn sie sich nun einmal nicht ändern lassen, und man kann das Meckern getrost lassen. Wie beim Wetter. 😊 Zum Ende möchte ich noch betonen, dass das Reisen im eigenen Land auch von Gebiet zu Gebiet kulturelle Unterschiede bietet und es bereits hier spannend ist, diese zu erkunden. Nehmen wir einmal das Rheinland. Der Karneval dort hat eine große Bedeutung. Wenn uns das gefällt, können wir diesem kulturellen Brauch mehr Gewicht in unserem Leben geben. Oder betrachten wir die Brotzeit aus dem Süden Deutschlands. Dort wird das traditionelle „Vesper“ mit viel Genuss gelebt. Schaut man sich die direkte, klare Art der Norddeutschen an und mag diese, nimmt man sie selbst in sich auf. Die Begebenheiten vor Ort, die Traditionen, die Geschichte – die Kultur eben – können uns beflügeln und Impulse geben. Sich etwas woanders abzuschauen, sich inspirieren zu lassen, ist doch etwas Schönes. So können wir immer etwas Neues lernen und uns entwickeln, was durchaus Spaß macht. Wir können uns aussuchen, was uns gefällt, und werden so bereichert. Alle, wie sie mögen. 😊

Schreibe einen Kommentar