




Was haben Stickern, Puzzeln, Ausmalen, Trickfilme-Schauen und das Bauen neuer Meisterwerke mit Klemmbausteinen gemeinsam? Genau: Spaß. Und wovon sollten wir alle ganz viel im Leben haben? Na Spaß! Als Kinder hatten wir viele Hobbys, die uns Freude brachten – ohne Zwang dahinter. Und das sollten wir wieder aufleben lassen.
Erwachsene sind große Kinder ohne feste Schlafenszeiten
Als Kind wollte ich immer gerne erwachsen werden. Ich dachte nicht darüber nach, was das tatsächlich mit sich bringt. Ich sah einfach nur, dass alle Erwachsenen um mich herum tun und lassen konnten, was sie wollten. Die Aufgaben, die Verantwortung dahinter, sah ich als Kind nicht. Ich sah, dass sie ins Bett gingen, wann sie wollten, so lange fernsahen, wie sie Lust hatten, für mich war das Erwachsensein gleichbedeutend mit Freiheit. Die viele Zeit, die ich mit Spielen in meinem Zimmer und mit Freunden verbrachte, sah ich als selbstverständlich an. Ich glaube, ich dachte sogar, dass Erwachsene wie große Kinder sind, nur niemand sagt ihnen, wann sie aufhören müssen mit diesem oder jenem und dass sie keine festen Schlafenszeiten haben. Man kann darüber schmunzeln, mache ich heute auch. Dennoch. Jetzt, viele Jahre später als erwachsene Frau, frage ich mich, ob ich mit meiner kindlichen, naiven Art von damals nicht auch ein Stück weit recht hatte. Natürlich bewegt sich das Leben in festen Rahmen und Bahnen, das bringt der Alltag als Erwachsene/r so mit sich. Das Tolle am Erwachsensein jetzt ist für mich allerdings eindeutig, dass ich das innere Kind in mir nicht loslassen muss, im Gegenteil, ich kann es fest in meinem Leben integrieren und ausleben. Ich kann tatsächlich in bestimmten Momenten ein großes Kind sein, meinen Hobbys von damals frönen, denn wer sagt eigentlich, dass ich als Erwachsene kein Stickeralbum besitzen darf?
Das Wichtigste ist der nächste Farbton
Ich habe mir in den letzten Jahren nach und nach ein paar Hobbys zugelegt, die ich bereits als Kind hatte und zwischenzeitlich verlor. Ich muss zugeben, dass meine Tochter einiges in mir wachrief. Denn das gemeinsame Spielen erinnert an so manches. Eines dieser Hobbys ist das Ausmalen. Durch Zufall stieß ich im Internet auf eine Künstlerin, die herrlich niedliche Ausmalbilder kreiert und diese zum Download zur Verfügung stellt. Ich kaufte einen großen Schwung, besorgte mir die passenden Stifte und los ging es. Für mich ist es ein großartiges Gefühl, die noch farblosen Motive je nach Stimmung zu kolorieren und ihnen somit Leben einzuhauchen, Akzente zu setzen, mit den wildesten Farbkombinationen zu spielen. Wenn ich ausmale, bin ich komplett fokussiert. Meine Gedanken schweifen nicht ab, das Einzige, was zählt, ist der nächste Farbton. Mittlerweile gibt es wunderbare Ausmalbücher, viele Erwachsene favorisieren Mandalas. Ich mag am liebsten Kawaii-Motive (japanisch für niedlich). Meine Werke hänge ich mir an meinem Arbeitsplatz im Wechsel auf und erfreue mich an ihnen.
Die Hörspiel- und Puzzle-Kombi
Ausmalen macht mir am meisten Spaß, wenn ich dazu ein Hörspiel höre. Als Kind hatte ich Unmengen von Kassetten, konnte die Texte mitreden und alle Lieder singen. Heute höre ich gerne „Die drei Fragezeichen“ oder „Die Fälle des Sherlock Holmes“. Hörspiele höre ich auch beim Kochen/Backen, beim Sport oder beim Aufräumen. Selbst wenn ich die Geschichten schon kenne, höre ich immer wieder gerne rein, denn die Stimmen, die Charaktere geben mir ein Gefühl von Geborgenheit, ganz so, als würde ich alten Freunden zuhören. Hörspiele sind auch ein toller Begleiter zum Puzzeln. Ich war als Kind sehr gut im Puzzeln, verlor aber irgendwann die Geduld. Beim Stöbern in Buchläden stieß ich immer wieder auf interessante Puzzle mit Motiven, die mich faszinierten. Ein Puzzle über Agatha Christie (ein Zusammenspiel all ihrer berühmten Fälle), ein Kunstwerk von Hiroshige (eine Katze sitzend am Fenster) oder ein Motiv von einem gemütlichen Wohnzimmer verleiteten mich dazu, es noch einmal mit der Puzzelei zu versuchen. Und siehe da? Noch so ein Hobby, das mich fest im Hier und Jetzt verankert. Das Schöne hierbei ist zusätzlich, dass mein Gehirn ständig am Arbeiten ist, aber auf eine entspannte Art und Weise ohne Stress. Und wie wäre es mit Klemmbausteinen? Die Auswahl dieser ist mittlerweile enorm und die Ergebnisse sind richtige Meisterwerke. Von Restaurants über Burgen kann alles zusammengebaut werden.
Von Rebellinnen, Dinosauriern und Volleyballspielern
Wohingegen ich beim Trickfilme-/Animationsfilme-Gucken völlig abschalten kann. Serien zu gucken macht mir Spaß, und gerade gezeichnete oder animierte haben etwas für sich. Sie sind spannend, aber nicht so, dass sie mir Kopfzerbrechen verursachen. Die Serie „She-Ra und die Rebellen-Prinzessinnen“, eine Science-Fiction-Serie aus dem Jahr 2018 über Heldinnenmut und Freundschaft, oder „Jurassic World: Neue Abenteuer“ von 2020, spielend auf einer Insel voller Dinosaurier und Geheimnisse, sind unterhaltsam, lustig, ernst, spannend und rührend. Gerade japanische Anime-Serien gefallen mir sehr gut, obwohl viele von ihnen sich tatsächlich an ein erwachsenes Publikum richten und nicht an Kinder. Die Serie „Haikyu!!“ aus dem Jahr 2014, wo eine Volleyballmannschaft an der Oberschule versucht, an ihre früheren Erfolge anzuknüpfen, kann für sehr viele Menschen inspirierend sein. Tatsächlich gab es eine Welle von Kindern, die sich bei Volleyballvereinen anmeldeten. Ich selbst war nach jeder Folge in Hochstimmung, und der Optimismus des Protagonisten Hinata ist ansteckend. Ganz nach dem Motto: „Weiter geht’s!“ All diese Serien geben einem wertvolle Lektionen mit, sanft umgesetzt und trotzdem einprägend. Ja, sogenannte Kinderserien sind großartig, und auch als Erwachsene kann ich sie schauen, wann immer ich Lust und Zeit habe, wenn das keine Freiheit ist. 😊
Das Stickeralbum wiederentdeckt
Seit Kurzem habe ich wieder das Stickeralbum für mich entdeckt. Am Wochenende, ganz früh, wenn alles noch schläft, nehme ich mir gerne die Zeit, mich mit meinen neuesten Sticker-Errungenschaften an den Tisch zu setzen und eine Seite zu gestalten. Oft in völliger Ruhe, manchmal mit Musik oder einem Hörspiel im Hintergrund. Ich bin immer auf der Suche nach niedlichen Motiven. Leider gibt es nicht so einen großen Stickermarkt bei uns, aber hin und wieder bestelle ich welche oder bringe welche aus dem Urlaub mit. Nicht so viele auf einmal zu bekommen, macht sogar einen gewissen Reiz aus, denn so bleibt es etwas Besonderes. Nach und nach füllen sich meine leeren Seiten mit süßen Motiven, und jede Seite sieht anders aus. Manchmal, wenn ich eine neue Gegend erkunde, halte ich regelrecht Ausschau nach Läden, die Sticker verkaufen könnten. Ich stöbere, oder wir als Familie stöbern, und entdecke/n dabei wieder anderes, das inspiriert. Sticker sind oft in Papeterien erhältlich, und dort gibt es immer Anregungen fürs Basteln.
Das Hobby an sich als Lohn
Für mich sind diese Hobbys mehr als nur ein Zeitvertreib. Sie alle bereiten mir große Freude. Eine Zeit lang war ich dem Denken ausgesetzt, dass das, was wir so tun, einem Zweck dienen muss, einen tieferen Sinn haben muss. Gerade Erwachsene sollten ihre Zeit nicht verplempern. Da ging es dann darum, dass das Malen von Bildern an sich keinen Zweck erfüllt, die Bilder liegen doch eh nur rum. Wo ist der Lohn? Sollte man allerdings ein echtes Talent im Malen haben und damit eventuell Geld verdienen können, dann lohnt es sich, dem nachzugehen. Solch ein Denken umgab mich, ich selbst sah es nie wirklich so und konnte mich irgendwann davon ganz befreien. Denn nicht alles, was wir tun, muss einem größeren Ziel dienen, und in nicht allem müssen wir ein wahrhaftes Talent besitzen, was auch immer das bedeutet und wer auch immer bestimmt, was Talent ist. Der Spaß an der Sache selbst ist Lohn genug. Mein ausgemaltes Bild an meiner Arbeitspinnwand, das fertige Puzzle, das ein paar Abende gedauert hat, die Vorfreude auf die neue „Drei Fragezeichen“-Folge, das Erfolgsgefühl, wenn ich einen Bogen Sticker gekauft habe, und eine weitere Folge meiner Trickfilmserie zu schauen, die mich garantiert in eine gute Stimmung versetzen wird, das alles ist mein Lohn.
Das Kind von damals hatte ein Stück weit recht
Zusammen mit meiner Familie kann ich auch einige dieser Hobbys ausüben oder noch andere ausprobieren. Mit meinem Mann spiele ich zusammen Karten, mit meiner Tochter male ich aus. Freunde/innen inspiriere ich ebenfalls zum Stickersammeln und gemeinsam tauschen wir uns alle aus. Ja, es ist schön, mir so als erwachsene Frau meine Zeit dafür nehmen zu können, und irgendwie hatte das Kind von damals recht. Wenigstens ein Stück weit. Probiert es also aus. Denkt nach, was euch als Kind Freude gemacht hat. Malen? Gesellschaftsspiele? Puppentheater? Fußball? Wieso nicht ein, zwei Dinge wieder ausprobieren und erneut zum Leben erwecken? Auch zusammen mit euren Liebsten garantiert spaßig. Oder eben für sich. Alle, wie sie mögen. 😊

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