
Vor dem Schlafengehen neige ich dazu, zu viele Dinge im Kopf Revue passieren zu lassen. Ich lege mich mit einem mulmigen Gefühl ins Bett, das Gedankenkarussell lässt mich nicht los. Den Kopf abends freizubekommen klingt gut, aber ich fand es bisher schwierig. Hilfe kam in Form einer kleinen weißen Tasse.
Mein Geburtstagsgeschenk
Ich habe solche und solche Tage. Wer hat die nicht? Es gibt Tage, da scheint mein Kopf überzuquellen mit Informationen, ich grübele, wahrscheinlich unnötigerweise, den halben Tag. Was steht heute noch an? Schaffe ich dies und jenes morgen? Gehe ich noch mal in die Stadt oder erledige ich das nächste Woche? Dann kommen hin und wieder noch Ängste dazu, denn leider plage ich mich damit von Zeit zu Zeit auch noch rum. Und dann kommt die Schlafenszeit. Ich möchte gerne entspannt ins kuschelige Bett schlüpfen, mich auf mein weiches Kissen freuen, meine warme Decke. Doch das Gedankenkarussell lässt sich nicht ausschalten. Die Vergangenheit spukt in meinem Kopf, oder die Zukunft dehnt sich vor mir als eine unbekannte, unheimliche Welt aus. Dabei bin ich doch gerade genau hier und nicht im Gestern oder Morgen. Dann kam mein Geburtstag und meine Freundin schenkte mir eine kleine Tasse, in die gerade einmal 150 ml Flüssigkeit reinpassen. Eine weiße kleine Tasse mit einem Herz darauf.
Die perfekte Mischung finden
Was konnte ich daraus trinken? Ich liebe Heißgetränke aller Art, meine Freundin weiß das, und diese süße kleine Tasse fand sie genau richtig für mich. Doch normalerweise trinke ich aus größeren Tassen. Unter 200 ml nichts. Und diese Getränke schäume ich auch noch auf, sodass sie locker wirklich große Tassen ausfüllen können. Doch diese kleine weiße Tasse mit dem Herz darauf hatte ich sofort liebgewonnen und ich wollte sie nutzen, so oft wie möglich. Mir kam der Gedanke, dass sie vielleicht genau die richtige Menge für einen Schlaftrunk fassen könnte. Ich öffnete mein Gewürzregal und stöberte. Ingwer, Kurkuma, Zimt, Muskat und Kardamom sprangen mich an. Ich werde mir eine kleine Schlafmilch zubereiten, dachte ich mir. Ich mixte herum und landete letztendlich bei einer einfachen Mischung aus 150 ml Hafermilch, einem Gramm Kardamom (ich habe kleine praktische Abmesslöffel) und einer Prise schwarzem Pfeffer. Die Mischung kochte ich auf und sie sah himmlisch aus in meiner weißen Tasse.
Mein neues Abendritual
Aber allein das genügte nicht, um den Abend ausklingen zu lassen. Ich schaute in mein Buchregal und meine kleine, aber feine Mangasammlung sprang mich an. Ich las bereits alle, doch das war umso besser. Ich wollte nichts lesen, das mich zu sehr beschäftigt, meine volle Aufmerksamkeit in Beschlag nimmt, sondern etwas, das mich beruhigt, mich zum Lächeln bringt, meinen Kopf mit schönen Bildern füllt. Und das tut so ein Manga im wahrsten Sinne des Wortes. Kommt natürlich auf das Genre an, ich habe fast ausschließlich Mangas aus der Kategorie „Slice of Life“, die laut Definition im Internet so erklärt werden kann:
„Slice of Life Mangas kommen ohne große Action oder Fantasy der alltäglichen Lebensrealität nah; zwischenmenschliche Beziehungen und kleine, bedeutungsvolle Momente der Figuren stehen im Mittelpunkt.“
Perfekt! Ich saß also da, mit meiner Kardamom-kleine-Prise-Pfeffer-Milch und wählte den Manga „Maus sei Dank“ aus. Eine Kerze wurde angezündet, das Zimmerlicht so weit gedämmt, dass ich gut lesen konnte und gleichzeitig eine gemütliche Stimmung im Wohnzimmer herrschte. Ich nahm mir vor, jeden Abend nur ein Kapitel zu lesen (ab und an werden es auch mal zwei, wenn es noch nicht so spät ist😊), um komplett in die Geschichte einzutauchen. Mir jedes Bild genau anzusehen, bestimmte Sprechblasen zweimal zu lesen, um der Bedeutung noch näher zu kommen. Wie bereits erwähnt, kannte ich alle meine Mangas, aber normalerweise las ich sie in einem Stück weg. Ließ die Bilder nicht gebührend auf mich wirken. Das konnte ich nun nachholen. Ich entdeckte kleine Details, die mir vorher nie aufgefallen waren. Ich hielt inne, trank einen Schluck meines Schlaftrunks und dachte über die Interaktionen der Protagonisten nach. Diese Geschichten können teilweise sehr emotional sein und da ich ein Gefühlsdusele bin (das meine ich gar nicht abwertend, so bin ich halt, ich mag einfach das Wort), kamen mir ab und zu auch ein paar Tränchen. Aber im guten Sinne.
Meine persönliche Erfahrung daraus
Ich habe nun etwas gefunden, das mir hilft, meinen Kopf vor dem Schlafengehen zu leeren und mit schönen Bildern und gefühlvollen Geschichten zu füllen. Gleichzeitig freut sich mein Bauch über die warme, würzige Milch. Danach geht es ins Badezimmer, ich freue mich auf mein Bett und ich spüre, wie ich viel entspannter bin, seitdem ich es so handhabe. Nun kann jeder/jede sein/ihr ganz eigenes Ritual am Abend finden. Sich bewusst Zeit nehmen. Ein Bildband über die Lieblingsstadt, über Hauseinrichtungen, über Essen oder anderes kann super sein. Leichte Lektüre, ein Sudoku oder ein Kreuzworträtsel. Ein Video auf YouTube vom/von der Lieblings-Youtuber/in. Dazu eine heiße Milch, ein Tee oder eine heiße Zitrone. Ganz egal. Sich eine halbe Stunde (so lange dauert mein Abendritual) vor dem Schlafengehen zu nehmen und sich komplett nur mit Dingen zu beschäftigen, die einem guttun, kann Wunder bewirken. Probiert es doch einmal aus und schreibt mir gerne in den Kommentaren, was für euch gut funktioniert. Ich freue mich auf den Austausch! 😊

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