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Neues ausprobieren heißt nicht zwangsläufig, mit Gewohntem abzuschließen. Es heißt lediglich, etwas zu testen, zu schauen, ob es zu einem passt. Da wirklich rein gar nichts für die Ewigkeit ist, können wir loslassen und ausprobieren, was das Zeug hält. Denn alles kommt und geht, so auch unsere Interessen und Hobbys. Wir müssen nicht schon vorher wissen, was wir mit dem Neuen einmal erreichen wollen.

So ziemlich alles, was wir tun, dient dem Moment

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich mich nicht getraut, etwas Neues auszuprobieren, sei es, ein Instrument zu lernen oder einen Zeichenkurs zu besuchen. Oft schwang gleich so etwas mit wie: „Wozu? Als ob du jetzt gut wirst im Geigespielen oder ein zweiter Michelangelo.“ Ich würde ja eh nie in einem Orchester spielen oder meine Bilder verkaufen. Am Ende steht die Geige nur rum und staubt ein, und die Bilder stapeln sich irgendwo, bis ich sie wegwerfe. Ich habe lange gebraucht, um für mich zu verstehen, dass diese Hobbys, auch wenn sie vielleicht nur zeitweise bestehen, mir für den Moment Freude bereiten. Ich weiß natürlich nicht, was daraus wird. Aber das sollte auch gar keine Rolle spielen. Denn letztendlich ist nichts für die Ewigkeit, und so ziemlich alles, was wir tun, dient dem Moment. Auch ein/e erfolgreiche/r Musiker/in wird irgendwann mit der Musik aufhören (es gibt natürlich auch Ausnahmen, die musizieren, bis sie umfallen). 😊 Die Musik ist zwar lange Teil ihres/seines Lebens, und eventuell ist das ganze Unterfangen erfolgreich. Aber nicht nur die Menschen, die von ihren Hobbys leben können, dürfen es auch ausführen. Wir alle können alles ausprobieren, und selbst wenn es nicht lange anhält, für den Moment haben wir Spaß.  

Ich habe aufgehört, mir zu viele Gedanken zu machen

Da wirklich alles vergeht, können wir getrost bei jedem Neuanfang sagen: Das ist eh nicht für die Ewigkeit, ich kann es versuchen. Aus meiner Vergangenheit kenne ich Phrasen wie: „Aber dieser Job ist nicht sehr zukunftsweisend“ oder „Und was machst du mit deinen Kurzgeschichten? Liest die überhaupt jemand?“ Auch beim Erstellen meines Blogs kam die Frage: „Und das soll jetzt ganz groß werden? Und wie genau?“ Alles soll immer ein Ziel haben, etwas „Großes“ soll am Ende warten. Erfolg und am besten Geld. Ich habe aufgehört, mir zu viele Gedanken darüber zu machen, was am Ende dabei rauskommen könnte. Selbst mit der besten Planung kann es anders laufen. Ich spreche nicht über die Urlaubsplanung für Australien, da möchte ich schon gerne vorbereitet sein. 😊 Ich spreche von den Dingen im Alltag, die uns Freude und Glücksmomente schenken, die uns einfach Spaß machen und die Zeit somit sinnvoll füllen. In meinem Artikel Ich bin eine Ente schrieb ich bereits darüber, dass ich mich oft nicht festlegen wollte und heute dankbar dafür bin. Meine Angst, Neues zu versuchen, aus Angst davor, dass ich es vielleicht eh nicht durchziehe bis zum Ende (was immer das Ende bedeuten mag), hat sich gelegt. Hier möchte ich gerne auf ein praktisches Beispiel eingehen, und zwar die Entdeckung des Tauchsportes.  

Ist der Tauchsport etwas für mich?

Nachdem meine Familie und ich einige Male im Mittelmeer schnorcheln waren und es wirklich genossen, wurde ich neugierig darauf, was am Grund des Meeres alles so sein mag. Ich las ein Buch über das Meer, „Das Blaue Wunder“ von „Frauke Bagusche“, welches mir gut gefiel. Dann kam mir der Gedanke, Sporttauchen zu erlernen. Ganz spontan, ganz typisch für mich. Ich dachte nicht darüber nach, was wohl wird, wenn ich meinen Tauchschein geschafft habe. Gehe ich dann regelmäßig tauchen? Und wo? Ich lebe nicht am Meer. Im See? Ist das überhaupt was für mich? Aber Schritt für Schritt war die Devise. Ich suchte mir einen Tauchlehrer und begann meinen Unterricht. Es war schwerer, als ich dachte. Mein Kopf spielte da einfach nicht mit. Trotz der Ausrüstung kam es mir seltsam vor, unter Wasser zu atmen. Es fühlte sich schlichtweg falsch an, und ich brauchte einige Versuche, um überhaupt unter Wasser zu bleiben. Mein Körper sträubte sich. Ein anderer Schüler, der mit uns zusammen und seinem Tauchlehrer im Becken war, schaffte es beim ersten Versuch und blieb unter Wasser. Nicht nur das, er vollführte auch gleich einige Kunststücke. Das war beeindruckend. Ich japste jedes Mal beim Auftauchen so, als würde ich ertrinken. Aber wie dem auch sei, ich schaffte es bis zur Prüfung.  

Weder Zeit- noch Geldverschwendung

Der Tag war aufregend. Mein Mann und meine Tochter waren dabei, und ich musste einiges in sieben Meter Tiefe machen, um den Tauchschein zu bekommen. Den theoretischen Teil hatte ich bereits geschafft. Unter Wasser war es wirklich eine Herausforderung, aber ich bestand alle Prüfungen. Bis heute ist das Erlangen dieses Tauchscheins für mich etwas, auf das ich am meisten stolz bin. Nach der Prüfung kam also das Leben einer Sporttaucherin auf mich zu. So dachte ich es mir zuerst. Mein Lehrer sagte, ich müsse am Ball bleiben, so oft wie möglich tauchen gehen. Da ich keinen Tauchbuddy hatte – man soll aus Sicherheitsgründen immer zu zweit tauchen gehen –, schloss ich mich seiner Gruppe an und fuhr mit ihnen zu verschiedenen Seen. Eine Zeit lang war es toll. Ich sah so viele verschiedene Tiere, und eine beeindruckende grüne Pflanzenwelt erwartete mich am Grund der Seen. Doch ich merkte, ich kann den Sport so nicht weiterverfolgen. Ich bekam einfach keinen richtigen Anschluss an die Tauchgemeinde. Die Seen waren schwer zu erreichen. Das Tauchen an sich machte wirklich Spaß, aber die Umsetzung passte einfach nicht zu mir. Das Schnorcheln mit der Familie im Sommerurlaub reichte mir. Diese Erkenntnis war aufschlussreich. Jetzt hätte ich sagen können, dass das Zeitverschwendung war. Geldverschwendung. Ich habe etwas erlernt, nur um es dann nicht mehr auszuführen. Habe aufgegeben, oder weiß der Kuckuck, was ich noch alles darüber sagen könnte.  

Einfach ausprobieren

Aber ich sage zu allem: Nein! Es war eine berauschende Zeit, eine Zeit, in der ich mich Ängsten stellte und über mich hinauswuchs. Ich erfuhr Neues über mich, ich lernte mich besser kennen. Diese Erfahrung möchte ich nicht missen. Es waren vielleicht drei Monate, in denen ich tauchen ging. Diese drei Monate waren intensiv, spannend und wunderschön. Seitdem habe ich viel weniger Angst, Dinge einfach auszuprobieren. Am Ende vergeht alles um uns herum, also warum immer so viel in den Dingen sehen oder hineininterpretieren? Wieso nicht einfach starten? Nur so lernen wir ja auch, was zu uns passt und was nicht. Es ist keine Zeitverschwendung, einem neuen Interesse eine Weile nachzugehen und es dann wieder loszulassen, es ist nur natürlich, dass alles um uns herum vergänglich ist. Eine Zeit lang versuchte ich mich auch am Malen mit Aquarellfarbe, es war dann doch nicht so mein Ding, aber die Bilder, die in dieser Zeit zustande kamen, sehe ich mir immer noch gerne an. Jedem dieser Anfänge von etwas Neuem schwingt auch immer eine gewisse Begeisterung bei, eine Zuversicht, eine Vorfreude, ein Kribbeln im Bauch. Sich daran zu erinnern, ist schön. Wir müssen nicht traurig sein, wenn daraus nichts weiter geworden ist, sondern können uns darüber freuen, was wir erlebt haben. Also probiert es aus: Macht einen Baristakurs, auch wenn ihr keinen Spitzenkaffee irgendwo verkaufen werdet. Lernt Skateboardfahren, auch wenn ihr wisst, dass ihr nächstes Jahr sicher keine Zeit mehr dafür habt wegen anderer Verpflichtungen. Beginnt damit, eine neue Sprache zu erlernen, aber ohne den Druck, diese eines Tages flüssig sprechen zu müssen. 😊 Am Ende bleibt es aber natürlich wie immer dabei: Alle, wie sie mögen.

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